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Flüssigkeitsversorgung älterer Menschen - aktueller Kenntnisstand.

Die Themen im Überblick:

Welche Bedeutung hat Wasser?

Trinkwasser ist das wichtigste Lebensmittel. Ohne Wasser kommt der menschliche Organismus nur 2 bis 4 Tage aus. Wasser ist ein Bestandteil aller Zellen und Körperflüssigkeiten. Im menschlichen Körper schwankt der Wassergehalt je nach Alter, Geschlecht und Körperzusammensetzung zwischen 50 und 70%. Beim gesunden Erwachsenen befinden sich etwa zwei Drittel des Gesamtkörperwassers innerhalb der Körperzellen (intrazellulär) und ein Drittel außerhalb (extrazellulär). Diese Volumenanteile werden in der Regel mit Hilfe des Natriums reguliert und konstant gehalten. Die Wassermenge des Körpers ist eng mit dem Salzgehalt des Körpers verbunden. Jede Salzaufnahme (vorwiegend Natriumchlorid/NaCl = Kochsalz) hat wiederum eine entsprechende Wasseraufnahme zur Folge, die die entsprechende Menge Salz bindet.

Reguliert wird der Wassergehalt des Körpers über das antidiuretische Hormon (ADH) und das Durstgefühl. Die Niere reguliert mit Hilfe des Hormons ADH, wie viel vom aufgenommen Trinkwasser wieder ausgeschieden werden soll und wie viel im Körper verbleibt.
Wasser dient als Zellbaustoff, als Lösungs- und Transportmittel im Stoffwechselgeschehen, zur Steuerung des Säure-Basen-Haushalts und zur Temperaturregulierung des Körpers. Der menschliche Körper scheidet ständig Flüssigkeit über die Nieren, den Darm, die Haut oder beim Atmen über die Lungen aus.

Um alle Körperfunktionen aufrecht zu erhalten, muss der Mensch regelmäßig ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen. Im Alter ist dies jedoch häufig ein Problem. Das Durstgefühl ist verringert und die Anpassungsfähigkeit der Nieren reduziert. Bei zu geringer Flüssigkeits- und Salzaufnahme scheiden die Nieren älterer Menschen größere Mengen Wasser und Natrium aus, die Regulation des Wassergehalts ist gestört. Alte Menschen haben weniger Durst, ein Flüssigkeitsmangel wird oft gar nicht bemerkt, es wird zuviel Flüssigkeit mit dem Urin ausgeschieden. Dasselbe gilt für Natrium, das normalerweise bei Flüssigkeitsmangel ebenfalls zurückgehalten wird. So können schon geringe Flüssigkeitsverluste besonders bei älteren Menschen drastische gesundheitliche Auswirkungen haben.

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Wie viel Wasser braucht der ältere Mensch?

Für den individuellen Flüssigkeitsbedarf gibt es verschiedene Empfehlungen. Unter Normalbedingungen beträgt die tägliche Wasserbilanz bei älteren Menschen etwa 2,3 Liter. Wenn man von etwa 300 ml Oxidationswasser (entsteht bei der Verbrennung von Fettsäuren und von Glukose) und circa 700 ml Wasser aus fester Nahrung ausgeht, müssten dann noch etwa 1,3 Liter getrunken werden, um die Flüssigkeitsbilanz auszugleichen. Auch koffeinhaltige Getränke können in die Bilanz eingerechnet werden.

Richtwerte für die Zufuhr von Wasser pro Tag (65 Jahre und älter)
Wasseraufnahme aus Getränken 1.310 ml
Wasseraufnahme aus fester Nahrung 680 ml
Oxidationswasser 260 ml
Gesamtwasseraufnahme 2.250 ml
Quelle: D-A-CH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. 2000

Dies erfordert für Senioren demnach eine tägliche Wasserzufuhr durch Getränke und feste Nahrung von etwa 30 ml Wasser pro kg Körpergewicht. Bei hohen Außentemperaturen (weitere Informationen: Sommerhitze und Trinken), starkem Wind, warmer und trockener Heizungsluft, einem hohem Kochsalzverzehr, einer hohen Eiweißzufuhr sowie verschiedenen Erkrankungen mit Fieber, Erbrechen oder Durchfall, bei der Einnahme von harntreibenden Medikamenten oder Abführmitteln und allgemein bei starker körperlicher Anstrengung ist der Flüssigkeitsbedarf erhöht. Bei Menschen mit Herzinsuffizienz, Nierenerkrankungen oder Leberzirrhose kann eine Begrenzung/Bilanzierung der Flüssigkeitsmenge notwendig sein. Hier sollte die erforderliche Trinkmenge stets in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

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Was sind die Ursachen für Flüssigkeitsmangel im Alter?

Mit zunehmendem Alter nimmt einerseits der Wassergehalt des Körpers durch Abnahme von Muskelgewebe ab. Andererseits verringert sich das Durstgefühl deutlich, da alternde Sinneszellen das Durstempfinden unterdrücken. Zusätzlich kann die Flüssigkeitsausscheidung durch eine verringerte Konzentrationsfähigkeit der Nieren und eine verringerte Natriumrückresorption durch die Niere erhöht sein. Daneben kommt es im Alter zu einer Änderung der Hormonsekretion.
Eine unzureichende Flüssigkeitszufuhr kann durch schlechte Trinkgewohnheiten ebenso wie durch zunehmende Hilfsbedürftigkeit beim Trinken entstehen. Angst vor nächtlichen Toilettengängen, Inkontinenz und Prostatabeschwerden können wichtige Trinkhemmnisse sein.
Erhöhte Flüssigkeitsverluste können aber ebenso durch häufiges Schwitzen und hohe Umgebungstemperaturen (zum Beispiel Sommerhitze, bei körperlicher Überanstrengung, überhitzte Räume) entstehen. Eine Vermehrung des Harnvolumens (Osmotische Diurese) kann durch eine Hyperglykämie bedingt sein. Die Einnahme bestimmter Medikamente (wie Diuretika und Laxantien) kann erhöhte Flüssigkeitsverluste zur Folge haben, ebenso das Vorliegen einer Multimorbidität (Diabetes, chronische Infekte mit Fieber, Erbrechen, chronische Diarrhöen). Diese Verluste müssen durch vermehrte Flüssigkeitsaufnahme (über den normalen täglichen Bedarf hinausgehende Mengen) wieder ausgeglichen werden.

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Wie häufig ist Flüssigkeitsmangel und wie wirkt er sich aus?

Viele ältere Menschen trinken zu wenig. Bei verminderter Flüssigkeitszufuhr kommt es zu einem Wassermangel des Körpers (Dehydratation). Die darauf folgende Austrocknung (Exsikkose) kann drastische gesundheitliche Auswirkungen haben. Bei Angaben zur Häufigkeit (Prävalenz) von Dehydratation und Exsikkose im Alter muss differenziert werden zwischen Senioren, die unabhängig zu Hause leben und solchen, die in Pflegeheimen leben oder sich in Krankenhäusern aufhalten. Außerdem ist zu beachten, dass die verschiedenen Methoden zur Erfassung der Prävalenz zu unterschiedlichen Ergebnissen führen können. So ist in Pflegeheimen die Dehydratation ein häufiger zu beobachtendes Problem. Bei unabhängig lebenden jüngeren Senioren zeigten Studien eine eher niedrige Prävalenz. Die Gefahr einer Dehydratation steigt demnach erst mit zunehmendem Alter. Die Prävalenz der manifesten Dehydratation bei Krankenhauspatienten über 65 Jahre liegt wahrscheinlich bei 5-10%, die für Dehydratation gefährdeten Menschen bei bis zu 50%.
Die klinischen Symptome, die mit einer Dehydratation und Exsikkose einhergehen können, betreffen zunächst die Funktionen der Haut und Schleimhäute, dann den Kreislauf, das Nervensystem und andere Organe. Einige der Symptome treten im Alter ohnehin vermehrt auf, so dass nicht immer unterschieden werden kann, ob die Symptome durch Wassermangel verstärkt oder verursacht wurden.
Der Wasserhaushalt ist streng reguliert, bereits geringer Flüssigkeitsmangel (1-2% Verlust von Körpermasse) kann klinische Symptome verursachen. Bei einem Mangel von 2% muss mit körperlichen Leistungseinschränkungen gerechnet werden, ein Defizit von 20% wird als lebensbedrohlich angesehen. Dehydratation ist mit einer Morbiditäts- und Mortalitätsrate (Krankheits- und Sterberate) von 45% und mehr assoziiert. Etwa 17% der Patienten mit der Hauptdiagnose Dehydratation versterben innerhalb von 30 Tagen nach einer stationären Aufnahme.

Mögliche Symptome und Folgen von Flüssigkeitsmangel im Alter:

  • trockene Schleimhäute, Mundtrockenheit, verminderte Speichelproduktion
  • Leistungsminderung, Schwäche, Schwindel, Apathie und Lethargie
  • erhöhte Infektanfälligkeit und Entzündungsgefahr, Fieber
  • eingeschränkte Wahrnehmungsfähigkeit und Beeinträchtigung des Kurzzeit-Gedächtnisses, Verwirrtheitszustände
  • vermehrter Durst, Verstopfung, Gewichtsverlust
  • Blutdruckabfälle, Herzrasen
  • Krampfanfälle
  • Thrombosen
  • erhöhte Sturzneigung
  • veränderte Medikamentenwirkung
  • Anstieg von Harnstoff und Kreatinin
  • reduzierte Harnmenge, konzentrierter Urin
  • Kreislauf- und Nierenversagen

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Wie lässt sich ein Flüssigkeitsmangel feststellen?

Bereits ein Flüssigkeitsmangel von 1-2% Verlust von Körpermasse kann klinisch relevant sein. Ab einem Flüssigkeitsmangel von 2% muss mit körperlichen Leistungseinschränkungen gerechnet werden. Es ist jedoch in der Praxis schwer, den Hydratationsstatus eines älteren Menschen klinisch zu erfassen, da klinische Anzeichen auch im normalen Alterungsprozess auftreten können. Ist der individuelle Flüssigkeitsbedarf überhaupt bekannt? Wie lässt sich der Bedarf tatsächlich decken?

Hinweise auf einen Flüssigkeitsmangel liefern eine verminderte Ausscheidung von meist dunklem, konzentriertem Urin. Trink- und Ernährungsprotokolle können Aufschluss über eine verminderte Flüssigkeitsaufnahme liefern. Anhaltspunkte können die Antworten auf folgende Fragen liefern:

  • Wird ein erhöhter Bedarf bei übermäßigem Flüssigkeitsverlust (zum Beispiel bei Fieber, Schwitzen, Erbrechen und Durchfällen) berücksichtigt?
  • Wird vermehrt Urin ausgeschieden (Nierenfunktionsstörung, Diabetes)?
  • Können erhöhte Flüssigkeitsverluste mit Medikamenten (Diuretika, Betablocker, Kortikoide und andere) zusammenhängen?

Allgemeine körperliche Symptome wie Mattigkeit, Muskelschwäche, trockene Haut- und Schleimhäute, Sprachschwierigkeiten und Mundtrockenheit können auf Flüssigkeitsmangel hindeuten. Auch eine Veränderung des Körpergewichts kann ein Anzeichen für eine Mangelversorgung mit Flüssigkeit sein.

Verschiedene weitere Blut- und Urinanalysen (Gehalt von Kreatinin und Harnstoff, Natriumkonzentration; Farbe und spezifisches Gewicht von Urin) sowie anthropometrische Messungen (Hautdicke und -durchblutung) in Kombination mit Körpergewicht, Puls und Blutdruck können dazu beitragen, verlässliche Aussagen über das Ausmaß der Dehydratation zu machen. Mit der Bioelektrischen Impedanzanalyse steht eine nicht invasive Methode zur Erfassung des Gesamtkörperwassers zur Verfügung.

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Wie kann eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr erreicht werden?

Es gibt eine ganze Reihe von Maßnahmen und Tricks, die zwar nicht für alle Betroffenen zutreffend sind, aber helfen können, die Trinkmenge zu erhöhen:

  • die Trinkration für den Tag (etwa 1,3 Liter) schon morgens bereitstellen
  • Getränke stets in Sicht- und Reichweite aufstellen
  • zwischen verschiedenen Getränken variieren
  • zur Kontrolle des Trinkverhaltens einen Trinkplan für den Tag erstellen und abends die getrunkene Menge zusammenzählen
  • leere Gläser und Becher (zu große Portionen können abschrecken) wieder befüllen oder durch gefüllte austauschen
  • wenn nötig, spezielle Trinkgefäße (lassen sich über jedes Sanitätshaus beziehen) oder Trinkhalme einsetzen
  • Trinkrituale einführen, zum Beispiel ein Glas Wasser nach dem Aufwachen, ein Glas Wasser vor jedem Essen, der Nachmittagskaffee oder der "5-Uhr-Tee", das Glas Wasser am Bett
  • in Einrichtungen sind Selbstbedienungsmöglichkeiten für Getränke (Trinkoasen) und Getränkeautomaten hilfreich
  • zwischen den Mahlzeiten sollten Betreuer in Einrichtungen immer wieder zum Trinken animieren
  • gemeinsames Trinken von Bewohnern, Personal und Angehörigen kann sinnvoll sein
  • individuell bevorzugte Getränke und Trinkgefäße sollten angeboten werden und es sollte eine Auswahl zwischen mehreren Kalt- und Heißgetränken geben
  • pflegebedürftige Senioren brauchen adäquate Hilfeleistungen und Unterstützung
  • bei Demenzkranken auch farbige (gefärbte) Flüssigkeiten anbieten

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Beispiel für einen Tages-Trinkplan für Senioren

Tages-Trinkplan für Senioren
Frühstück 2 Tassen Kaffee oder Tee 250 ml
Zwischenmahlzeit 1 Glas Fruchtsaftschorle oder Buttermilch 200 ml
Mittagessen 1 Glas Mineralwasser 200 ml
1 Teller Suppe 150 ml
Zwischenmahlzeit 1 große Tasse Tee oder Kaffee 200 ml
Abendessen 2 Tassen Kräutertee 300 ml
Spätmahlzeit 1 Saft- oder Weinschorle, Mineralwasser 200 ml
Gesamtsumme 1.500 ml

Je weniger jemand isst, desto mehr sollte getrunken werden, es fehlt sonst das in der festen Nahrung enthaltene Wasser!

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Welche Getränke eignen sich für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr?

  • Trink- und Mineralwasser - je nach Verträglichkeit - mit oder ohne Kohlensäure, insbesondere calciumreiche (mehr als 150 mg/l) und magnesiumreiche (mehr als 50 mg/l) Mineralwässer
  • Fruchtsaftschorlen, verdünnte Fruchtsäfte
  • Kräuter- und Früchtetees
  • Kaffee und Tee trägt entgegen häufig anderslautender Aussagen durchaus zur Flüssigkeitsversorgung bei
  • wasserreiches Obst und Gemüse (wie Melonen, Obstkompott, Tomaten, Gurken und andere)
  • wasserhaltige Nahrungsmittel (wie Brühen, Suppen, Joghurt, Buttermilch, Kefir und andere)
  • Limonaden und Cola-Getränke sind aufgrund ihres hohen Zuckergehaltes zum Durstlöschen weniger gut geeignet
  • Gegen ein gelegentliches Glas Bier oder Wein spricht nichts, wenn dem keine gesundheitlichen Gründe entgegenstehen

Manchmal sind selbst weniger geeignete Getränke immer noch besser als gar kein Getränk!

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Wo kann ich weitergehende Informationen nachlesen?

  • Bischoff SC. Flüssigkeitsversorgung von Senioren - Eine kritische Bestandsaufnahme aktuellen Wissens und etablierter Empfehlungen. Aktuel Ernahrungsmed 37(2012)81-90
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Trinken im Alter. Bonn 2012 (www.fitimalter-dge.de)
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Richtig trinken - fit bleiben. Bonn 2014. www.dge.de
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Flüssigkeitsversorgung in Kliniken. DGE-Praxiswissen. Bonn 2012 (www.fitimalter-dge.de)
  • Heseker H, Odenbach V (Hrsg.) Ernährung von Senioren und Pflegebedürftigen. Praxisleitfaden für eine bedarfsgerechte Versorgung im Alter. Hamburg: Behrs 08/2012
  • Huhn S. Praxisheft Ernährungsmanagement. Handreichungen zur Umsetzung des Expertenstandards "Ernährungsmanagement" in der pflegerischen Praxis. Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (Hrsg.) Potsdam 2009 (www.dbfk.de)