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Hygiene und Infektionsprävention in medizinischen Einrichtungen

Stand 11/2018

HygInfVO - Was ändert sich im niedergelassenen Bereich?

Die Bremer Verordnung über die Hygiene und Infektionsprävention in medizinischen Einrichtungen, kurz HygInfVO vom 27.03.2012 wurde am 26.09.2017 aktualisiert. Die nun gültige Fassung enthält zahlreiche Neuerungen, die auch für den Bereich der niedergelassenen Ärzte, insbesondere aber für Praxen, in denen ambulante Operationen durchgeführt werden, von Belang sind. Auch für Reha- und Dialyseeinrichtungen hat sich einiges geändert.

Mit Inkrafttreten der Aktualisierung sind nun neben Krankenhäusern, Einrichtungen für ambulantes Operieren, Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen sowie Dialyseeinrichtungen und Tageskliniken auch Arztpraxen, Zahnarztpraxen und Praxen sonstiger humanmedizinischer Heilberufe, in denen invasive Eingriffe vorgenommen werden, verpflichtet, die nach dem Stand der medizinischen Wissenschaft erforderlichen betrieblich-organisatorischen und baulich-funktionellen Voraussetzungen für die Einhaltung der Hygiene und deren ständige Betriebsbereitschaft sicherzustellen. Wie das auszusehen hat, wird über § 23 (3) Infektionsschutzgesetz durch die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) sowie die Kommission Antiinfektiva, Resistenz und Therapie (ART) beim Robert Koch-Institut vorgegeben. Deren Empfehlungen sind zu beachten. Kontrolliert wird die Einhaltung durch ein eigens hierfür zuständiges Team des Gesundheitsamtes. Die Krankenhäuser werden bereits jetzt mindestens alle zwei Jahre überprüft, und auch ambulant operierende Praxen müssen sich auf engmaschige Besuche einstellen.

Sofern beim Betrieb baulich-funktioneller Anlagen im Rahmen der durchzuführenden Eigenüberprüfung hygienische Mängel festgestellt werden, ist hierüber das Gesundheitsamt unaufgefordert zu informieren. Konkret geht es um Raumlufttechnische Anlagen (RLTA sowie Desinfektionsmittel-Dosiergeräte. Ein entsprechendes Meldeformular steht auf der Homepage des Gesundheitsamtes zur Verfügung.

Nicht nur von Krankenhäusern, ambulant operierenden Praxen und Reha-Einrichtungen, sondern jetzt auch von Dialyseeinrichtungen muss vor geplanten Bauvorhaben eine Bewertung der Maßnahme durch einen Krankenhaushygieniker vorgenommen und dem Gesundheitsamt vorab zur Verfügung gestellt werden.

Hinweis:
Bei einem geplanten Umbau, der Praxisübernahme eines ambulanten OPs oder ähnliches das Gesundheitsamt im Vorfeld proaktiv um eine Begehung bitten und von vornherein in die Maßnahme einbeziehen. Die Kosten sind gering und können viel Ärger und unnötigen nachträglich erforderlichen Änderungen vorbeugen.

Die Aufgaben der für Krankenhäuser und Reha-Einrichtungen vorgeschriebenen Hygienekommission wurden um die Erarbeitung eines Impfangebots für das Personal erweitert.

Neu ist der verpflichtende Einsatz von hygienebeauftragten Ärzten für ambulant operierende Einrichtungen und Dialyseeinrichtungen. Ferner wurde das Hygienefachpersonal um die Gruppe der hygienebeauftragten Pflegekräfte erweitert. Diese sind nun für alle von der Verordnung betroffenen Einrichtungen verpflichtend - also auch für ambulant operierende Praxen. Ausgenommen von der Regelung sind lediglich "normale" Arzt- und Zahnarztpraxen.
Bis zum 31.12.2019 gilt eine Übergangsfrist. Bis zu diesem Datum darf die Tätigkeit der hygienebeauftragten Ärzte und Pflegekräfte sowie der Hygieniker auch von Mitarbeitern ausgeübt werden, die noch nicht über eine entsprechende Fachweiterbildung verfügen. Besetzt werden müssen die Positionen jedoch jetzt schon.
Nicht neu, aber an dieser Stelle noch einmal erwähnt werden soll die Verpflichtung für alle in der Verordnung genannten Einrichtungen mit Ausnahme der Arzt- und Zahnarztpraxen, Krankenhaushygieniker und Hygienefachkräfte zu beschäftigen. Diese können jedoch von extern beratend tätig sein. Kleines Trostpflaster: Der Umfang der Begehungen durch Krankenhaushygieniker wurde für Dialyse-Einrichtungen und ambulant operierende Praxen von acht Stunden halbjährlich auf einmal jährlich ohne Nennung einer genauen Stundenzahl reduziert. Der Beschäftigungsumfang für Hygienefachkräfte richtet sich nach den Fallzahlen der Operationen und Eingriffe, wobei nach KRINKO der Faktor 50.000 Fälle auf eine Vollzeit-Hygienefachkraft zugrunde gelegt wird. Somit kommt eine ambulant operierende Praxis mit 1.000 OPs jährlich auf circa 10 Stunden pro Quartal.

Der Fortbildungsumfang der Hygienebeauftragten und des Hygienefachpersonals wurde auf mindestens 16 Stunden pro Jahr festgelegt. Den übrigen Mitarbeitern aller in der Verordnung genannten Einrichtungen muss die Gelegenheit zur Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen gegeben werden.
Jährliche Belehrungen über den Inhalt des Hygieneplanes müssen nun in allen Einrichtungen einschließlich der Arzt- und Zahnarztpraxen durchgeführt werden.

Die Pflicht zur fortlaufenden Erfassung von nosokomialen Infektionen, Erregern mit speziellen Resistenzen und Multiresistenzen sowie zur Bewertung und daraus abgeleiteten Präventionsmaßnahmen galt bisher nur für Krankenhäuser und ambulant operierende Ärzte und wurde nun auf Rehaeinrichtungen ausgeweitet. Antibiotikaverbrauchsdaten müssen - auch in Einrichtungen für das ambulante Operieren - gemäß der aktualisierten HygInfVO von einem Krankenhaushygieniker bewertet werden.

Die Aktualisierung der HygInfVO fordert die Beschäftigung von hygienebeauftragten Ärzten und Pflegefachkräften. Dies gilt auch für den Bereich des ambulanten Operierens. Krankenhaushygieniker und Hygienefachkräfte sind ebenfalls verpflichtend, können jedoch als externe Berater beschäftigt werden. Bauvorhaben sind in der Planungsphase von einem Hygieniker zu beurteilen. Die Stellungnahme ist dem Gesundheitsamt im Vorfeld zu übermitteln. Über Mängel an RLT-Anlagen und Desinfektionsmittel-Dosiergeräten ist das Gesundheitsamt unaufgefordert zu informieren. Ein Meldeformular steht auf der Homepage des Gesundheitsamtes zur Verfügung.
Das Gesundheitsamt überprüft die Einhaltung der Infektionshygiene speziell im Bereich des ambulanten Operierens künftig engmaschig.

  • Welche Praxen werden begangen?
    Es werden alle Einrichtungen begangen, in denen Operationen durchgeführt werden.
  • Was bedeutet in diesem Zusammenhang Operation?
    Unter dem Begriff Operation fallen ambulante Operationen und andere invasive Eingriffe mit einem Risikopotential für Infektionen. Das Risiko wird anhand der durchgeführten Operationen durch das Gesundheitsamt bewertet.
  • Wie wird die Einhaltung der Hygiene beim ambulanten Operieren vom Gesundheitsamt überwacht?
    Zunächst wird vom Gesundheitsamt ein Selbstauskunftsbogen verschickt, der circa 1 Woche vor der Begehung ausgefüllt wieder an das Amt zurückgesandt werden muss.
    Die Begehung selbst nimmt circa 2 Stunden Zeit in Anspruch. Dabei werden alle Räume begangen, es werden Unterlagen eingesehen und Interviews geführt. Die Begehung wird fotografisch dokumentiert. Im Anschluss erhält die Praxis einen Begehungsbericht und gegebenenfalls eine Mängelliste.
  • Werden die Begehungen angemeldet?
    In der Regel wird das Gesundheitsamt einige Wochen vor der geplanten Begehung telefonisch einen Termin vereinbaren. Bei besonderen Gründen kann die Begehung auch unangekündigt erfolgen.
  • Welche Dokumente werden geprüft?
    Überprüft werden zum Beispiel Hygieneplan, Desinfektionspläne, Reinigungspläne, Erreger- und Resistenzstatistik, Antibiotikaverbrauchsstatistik, Fortbildungs- und Schulungsnachweise, gegebenenfalls Verträge mit externen Beratern und bei Bedarf weitere Unterlagen.
  • Wie oft finden die Begehungen statt?
    Die Begehungen finden circa alle zwei Jahre statt. Zusätzlich können aus gegebenem Anlass oder bei Beschwerden oder Hinweisen Begehungen durchgeführt werden.
  • Wie kann ich mich auf die Begehung vorbereiten?
    Im nächsten Abschnitt "Weitere Informationen" ist ein Selbstauskunftsbogen hinterlegt. Es empfiehlt sich, von Zeit zu Zeit mit Hilfe dieser Checkliste eine interne Begehung der Praxis durchzuführen.
  • Was ist, wenn Mängel festgestellt werden?
    Die Mängel sind innerhalb einer angemessenen Frist abzustellen. Bei schwerwiegenden Mängeln erfolgt eine Nachkontrolle. Gleichzeitig wird bei Feststellung schwerer Mängel die KV informiert. Diese sorgt dafür, dass bis zur Abstellung der Mängel keine Operationen mehr abgerechnet werden dürfen. Schlimmstenfalls können Bußgelder verhängt oder die Einrichtung geschlossen werden.
  • Ist die Begehung kostenpflichtig?
    Ja. Die Kosten richten sich nach der Gesundheits-Kostenverordnung vom 16.08.2002 (Brem.GBL.S.333) in der jeweils gültigen Fassung. Insgesamt kann man erfahrungsgemäß je nach Aufwand von circa 500,00 EURO ausgehen.
  • Wie kann ich die hygienische Beratung durch Fachpersonal sicherstellen?
    Laut HygInfVo ist vorgeschrieben, dass in einer Einrichtung für ambulantes Operieren ein hygienebeauftragter Arzt und eine hygienebeauftragte Pflegekraft beschäftigt werden. Außerdem muss eine risikoadaptierte Beratung durch eine Hygienefachkraft und einen Hygieniker sichergestellt sein. Bis zum 31.12.2019 gilt eine Übergangsfrist, innerhalb derer die benannten Personen noch nicht über die geforderte Qualifikation verfügen müssen.
  • Muss ich einen hygienebeauftragten Arzt beschäftigen?
    Ja. Dieser muss Mitarbeiter der Praxis sein. Dabei ist die Absolvierung einer 40-stündigen curriculären Fortbildung nachzuweisen.
  • Muss ich eine hygienebeauftragte Pflegekraft beschäftigen?
    Ja. Diese muss Mitarbeiter/in der Praxis sein. Das Gesundheitsamt erkennt in diesem Fall auch die Beschäftigung einer hygienebeauftragten MFA mit 40-stündiger curriculärer Fortbildung an.
    Muss ich eine Hygienefachkraft beschäftigen?
    Ja. Diese kann aber beratend tätig und muss nicht Mitarbeiter/in der Praxis sein.
  • Wie groß ist der geforderte Beschäftigungsumfang für eine Hygienefachkraft?
    Da es praktisch in allen Fällen unverhältnismäßig wäre, eine Hygienefachkraft zu beschäftigen, ist es möglich, sich diese Beratungsleistung von externen Fachkräften erbringen zu lassen. Dabei gilt: 1 VK für 50.000 Operationen.
  • Reicht es aus, wenn ich in der Praxis eine MFA oder Pflegekraft beschäftige, die einen Kurs zur Hygienebeauftragten absolviert hat?
    Nein. Eine Hygienefachkraft ist ein/e Gesundheits- und Krankenpflegerin mit mehrjähriger Berufserfahrung, einer zweijährigen Zusatzausbildung und einer entsprechenden staatlichen Anerkennung.
  • Ich operiere nicht in eigenen Räumen, sondern in einem OP-Zentrum. Reicht die dort angebotene Betreuung durch den Hygieniker und die Hygienefachkraft aus?
    Das hängt davon ab, wie der Vertrag mit dem OP-Zentrum gestaltet ist. In der Regel wird die Leistung für alle Tätigkeiten innerhalb des OP-Zentrums mit abgedeckt sein. Die Erstellung einer Erreger- und Resistenzstatistik sowie einer Antibiotika-Verbrauchs-Surveillance und deren Bewertung unter Berücksichtigung der lokalen Resistenzsituation durch einen Krankenhaushygieniker ist vermutlich nicht automatisch im gebuchten Leistungsumfang inbegriffen und muss daher selbst veranlasst werden.
  • Was geschieht mit meinen Daten?
    Ihre Daten werden 10 Jahre lang gespeichert und nicht an Dritte weitergegeben (Ausnahme schwere Mängel, siehe oben)

Weitere Informationen

Ansprechperson

Michael Kaufmann

Referat Infektionsepidemiologie

Gesundheitsamt
Horner Str. 60-70
28203 Bremen