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Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners in Bremen

Eine Ansammlung von Eichenprozessionsspinnern auf einem Baum.

Der Eichenprozessionsspinner (EPS) breitet sich seit mehreren Jahren auch in Bremen vermehrt aus. Die feinen Brennhaare der Raupen können bei Menschen allergische Reaktionen der Haut und Atemwege auslösen.

Das Gesundheitsamt Bremen (GAB) ist für den Schutz Ihrer Gesundheit da. Die Kolleg:innen informieren und beraten Sie zu den medizinischen Risiken des Eichenprozessionsspinners und helfen Ihnen zu verstehen, wie Sie sich optimal schützen können.

Der Umweltbetrieb Bremen (UBB) kontrolliert das städtische Grün und sorgt dafür, dass die Raupen und Nester auf öffentlichen Flächen – wie in Parks in öffentlicher Hand, an Straßen oder auf Spielplätzen – von Fachleuten sicher und fachgerecht entfernt werden. Aufgrund des aktuell sehr hohen Aufkommens sind die Fachfirmen im Dauereinsatz. Die Bearbeitung erfolgt nach Priorität: Orte mit hoher öffentlicher Nutzung wie Kitas, Schulen, Spielplätze und Parks werden vorrangig behandelt.

1. Ich habe einen Befall entdeckt – an wen kann ich mich wenden?

  • Auf privatem Grund (eigener Garten, Mietgrundstück): Die jeweiligen Grundstückseigentümerinnen und -eigentümer sind in erster Linie verantwortlich für die Beseitigung der Gesundheitsgefahr, die von ihrem oder seinem Besitz ausgeht.

    Was tun? Bitte bekämpfen Sie den Schädling nicht selbst! Beauftragen Sie eine spezialisierte Schädlingsbekämpfungsfirma.

  • Auf öffentlichem Grund (Parks in öffentlicher Hand, Straßenbäume, städtische Schulen und Kitas): Umweltbetrieb Bremen (UBB).

    Was tun? Bitte melden Sie den möglichst genauen Standort (Straße und Hausnummer, gegebenenfalls die Baumnummer oder sonstige eindeutige Orientierungspunkte) per E-Mail an: office@ubbremen.de

Wichtiger Hinweis: Der Umweltbetrieb Bremen markiert bereits entdeckte Bäume im Stadtgebiet mit rot-weißen Bändern („Achtung Eichenprozessionsspinner“). Bäume, die diese Markierung bereits tragen, sollten nicht erneut gemeldet werden. Des Weiteren besteht keine Meldepflicht für das Vorkommen des Eichenprozessionsspinners.

2. Ich habe gesundheitliche Beschwerden oder Fragen – wer hilft?

  • Bei akuten gesundheitlichen Problemen (Atemnot, starker Ausschlag): Bitte wenden Sie sich sofort an Ihre Hausarztpraxis oder den ärztlichen Notdienst unter der Telefonnummer 116 117. Bei lebensbedrohlichen Notfällen wählen Sie den Rettungsdienst unter der Telefonnummer 112.
  • Für allgemeine gesundheitliche Informationen zum Eichenprozessionsspinner wenden Sie sich bitte an das Gesundheitsamt Bremen (eichenprozessionsspinner@gesundheitsamt.bremen.de)

3. Häufig gestellte Fragen

Was ist der Eichenprozessionsspinner?

Der EPS ist ein Falter, der sich in den letzten Jahren auch im Norden Deutschlands immer weiter ausgebreitet hat. Seit 2020 ist er vermehrt in Bremen zu finden. Besonders junge Eichen, die aus anderen Regionen stammen, können zur weiteren Verbreitung beitragen. Die Raupen des EPS fressen vor allem die Blätter von Eichen. Sie bewegen sich in langen Reihen, was ihnen auch ihren Namen gibt. Die erwachsenen Falter fliegen bevorzugt in Richtung von Lichtquellen wie Straßenlaternen oder beleuchteten Fenstern, was ihre Verbreitung unterstützt. Der EPS mag Wärme und legt seine Eier deshalb meist an freistehenden Bäumen ab, die viel Sonne bekommen. Besonders betroffen sind Eichen an Waldrändern, in Parks, auf Sportplätzen, Schwimmbädern sowie auf Außengeländen von Schulen und Kindergärten – also an Orten, an denen sich viele Menschen aufhalten. In dichten Wäldern ist der EPS dagegen selten zu finden. Neben der Schädigung der Bäume kann der EPS auch die Gesundheit von Menschen beeinträchtigen.

Woran erkenne ich den Eichenprozessionsspinner?

Beim EPS handelt es sich um eine in Deutschland heimische Schmetterlingsart. Die Raupen finden sich hauptsächlich an Eichen, können aber – in starken Befallsjahren – auch an anderen Bäumen, insbesondere an der Hainbuche auftauchen. Der Name geht auf die Eigenart dieser Raupen zurück, in geselligen Gruppen zu leben und während der Nahrungssuche als Verband von bis zu 100 Tieren hintereinander herzuziehen – ähnlich wie in einer Prozession. Die Raupen können bei massivem Befall auch ihre Wirtsbäume schädigen, denn sie fressen die gesamte Gewebefläche der Blattspreite. Bei mehrjährigem starkem Auftreten kann der Baum direkt oder durch Folgeerscheinungen in seiner Vitalität beeinflusst werden.

Die Haare der Raupen können zu gesundheitlichen Auswirkungen bei Menschen und Tieren führen.
Nicht zu verwechseln mit der Gespinstmotte: Seltsam aber harmlos
Die Raupen der in Mitteleuropa mit 74 Arten vertretenen Gespinst- und Knospenmotten sorgen im Frühsommer regelmäßig für mulmige Unruhe, fragende Gesichter und gesundheitliche Bedenken bei Gartenbesitzern und Parkbesuchern. Sie entwickeln sich insbesondere auf Wildgehölzen wie beispielsweise Pfaffenhütchen, Weißdorn, Schlehdorn, Traubenkirschen, Weiden sowie auf Obstgehölzen wie etwa Apfel, Kirschen und Pflaumen.

Die Raupen der Gespinstmotte fressen die entsprechenden Pflanzen kahl und hüllen sie in dichte weiß-silbrig glänzende Netze ein, die gespenstische Szenarien bilden – und auch in Bremen zu finden sind. Entgegen allem Anschein sind die Raupen der Gespinstmotte allerdings absolut harmlos für Mensch und Tier, da sie über keine Brennhaare verfügen.

Welche gesundheitlichen Auswirkungen hat der Eichenprozessionsspinner auf den Menschen?

Die Brennhaare des EPSs enthalten ein Nesselgift namens Thaumatopoein. Dieses Gift kann bei Berührung allergische Reaktionen auslösen. Es reizt die Haut, die Augen und die Atemwege. Die meisten Menschen bekommen dadurch Beschwerden, die je nach Dauer und Intensität des Kontakts sowie der individuellen Empfindlichkeit unterschiedlich stark ausfallen. Wenn die Haut mit den Brennhaaren in Berührung kommt, kann sich eine sogenannte Raupendermatitis entwickeln. Dabei entstehen Hautrötungen, Schwellungen, starker Juckreiz, Brennen und Quaddeln, die oft jucken. Empfindliche Menschen können sowohl Atemwegsreizungen als auch Reizungen der Schleimhäute der Augen entwickeln. In seltenen Fällen kann es zu Luftnot oder schweren allergischen Reaktionen bis zum Schock kommen.

Welche Entwicklungsstadien durchlaufen Eichenprozessionsspinner bis zum fertigen Schmetterling?

Der EPS ist ein kleiner, eher unscheinbarer Nachtfalter, der von August bis Anfang September fliegt. Im Mai schlüpfen die Raupen, die an den jungen Knospen der Eichen fressen. Ende Mai bis Anfang Juni entwickeln sie die Brennhaare und bauen Nester an geschützten Stellen des Baumes. Abends ziehen sie in Prozessionen zu den Blättern, um zu fressen, und kehren morgens zurück. Im Juli oder August verpuppen sich die Raupen, aus denen nach einigen Wochen die Falter schlüpfen. Diese legen ihre weißen, etwa 1 mm großen Eier in dünnen Schichten an den oberen Zweigen der Eichen ab, wo sie den Winter überdauern.

In welchem Zeitraum stellt der Eichenprozessionsspinner eine Gefahr dar?

Ab Ende Mai bis Anfang Juni beginnen die jungen Raupen, die Brennhaare zu entwickeln. Ab Mitte Juni werden die Gespinstnester angelegt. Diese Gespinste mit den Brennhaaren können auch lange nach der Verpuppung noch gesundheitliche Gefahren darstellen.

Wie schütze ich mich vor den gesundheitlichen Gefahren, die von den Brennhaaren des Eichenprozessionsspinners ausgehen?

Die feinen Brennhaare können je nach Wetterlage bis zu 50 m weit verweht werden. Deshalb ist es wichtig, generell Abstand zu befallenen Bereichen zu halten und einen längeren Aufenthalt unter befallenen Bäumen vermeiden, um den Kontakt mit den Haaren zu umgehen. Wenn Sie sich dennoch in einem Gebiet mit EPS aufhalten, sollten Sie Nacken, Hals, Arme und Beine gut bedecken, um die Haut zu schützen. Außerdem sollten Sie die Raupen und ihre Nester nicht anfassen und sich nicht ins Gras oder auf den Boden setzen, da dort ebenfalls Brennhaare vorhanden sein können.

Wer ist besonders gefährdet?

Grundsätzlich sind alle Personen gefährdet, die mit den Brennhaaren in Kontakt kommen. Dazu gehören ganz besonders Personen mit Asthma oder Allergien, aber auch zum Beispiel Jogger:innen oder Spaziergänger:innen in befallenen Parkanlagen, Kinder und Erwachsene auf Kita- und Schulgeländen oder Spielplätzen, Berufsgruppen, die im Freien arbeiten, wie Baumpfleger:innen, Landschaftsgärtner:innen oder Mitarbeitende von Grünflächenämtern.

Was sollte ich machen, wenn ich dennoch mit den Brennhaaren in Kontakt gekommen bin?

Wenn Sie mit Raupen, ihren Nestern oder den feinen Haaren in Berührung gekommen sind, sollten Sie auf keinen Fall kratzen, da dies die Haut zusätzlich reizen und die Brennhaare weiter verteilen kann. Stattdessen spülen Sie die betroffenen Stellen gründlich mit Wasser ab oder duschen, um die Brennhaare zu entfernen. Oberbekleidung sollte möglichst nicht über den Kopf gezogen entfernt werden. Ihre Kleidung sollten Sie bei mindestens 60 Grad Celsius waschen, damit das Gift in den Haaren vollständig zerstört wird. Auch Ihre Schuhe sollten gereinigt werden, um eine erneute Berührung mit dem Gift zu vermeiden.

Kann ich den Eichenprozessionsspinner selber bekämpfen?

Die Bekämpfung sollte nur von speziell geschulten Fachkräften mit passender Schutzausrüstung durchgeführt werden. Es ist empfehlenswert, Unternehmen zu beauftragen, die für diesen Bereich anerkannt sind, zum Beispiel über den Deutschen Schädlingsbekämpfer Verband.

Wer ist für die Beseitigung von Gefahren, die von dem Eichenprozessionsspinner ausgehen, verantwortlich?

Die Eigentümer:innen des Grundstücks, auf dem befallene Bäume stehen, sind dafür verantwortlich, dass von ihrem Besitz keine Gefahren für andere Menschen ausgehen. Probleme zwischen Nachbar:innen müssen privat geregelt werden. Wenn jedoch von bestimmten Bäumen auf privatem Grund eine Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht, kann das Ordnungsamt Maßnahmen anordnen, um diese Gefahr zu beseitigen.

Was ist eine mechanische Bekämpfung?

Die mechanische Bekämpfung umfasst das Entfernen der Raupen und ihrer Nester von den Bäumen, zum Beispiel durch Absaugen. Diese Methode wird von Fachkräften mit geeigneter Schutzausrüstung durchgeführt, um den Kontakt mit den Brennhaaren zu vermeiden.

Was ist eine thermische Bekämpfung?

Bei der thermischen Bekämpfung werden die Nester und Raupen mit Hitze behandelt, zum Beispiel durch Erhitzen oder Abflammen, um die Tiere abzutöten und die Brennhaare zu zerstören. Diese Methode kann allerdings auch zu Schäden an den Bäumen führen.

Was bezeichnet man als biologische Bekämpfung?

Als biologische Bekämpfungsmethode wird das Ausbringen von Fadenwürmern (Nematoden) bezeichnet. Diese dringen in die Raupen ein und töten sie ab. Dabei können jedoch auch andere Schmetterlingsraupen, die zur gleichen Zeit in den Eichen fressen, abgetötet werden. Da die abgetöteten Raupen nicht entfernt werden, ist eine Behandlung nur vor dem dritten Larvenstadium sinnvoll, bevor die Raupen Brennhaare ausgebildet haben.